Der Kindesunterhalt und seine Besonderheiten

Die wohl bekannteste Form des Unterhalts ist der Kindesunterhalt. Dieser muss solange bezahlt werden, bis das Kind in der Lage ist, seinen Unterhalt selbst zu sichern. Eigene Einkünfte des Kindes werden beim Kindesunterhalt angerechnet. Beispielhaft dafür sind etwa BaFöG Einnahmen oder die Ausbildungsvergütung. Auch eine regelmäßige Nebentätigkeit, wie ein Studentenjob, wird angerechnet.

Es gibt aber auch nicht anrechenbares Einkommen. Dieses stammt aus:

  • Ferienjobs und Nebentätigkeiten von Schülern, da sie nicht zum Arbeiten verpflichtet sind.
  • Studentenjobs bei halben Studiengängen, bei denen noch für das Studium Gelder aufgebracht werden müssen.

Grundsätzlich sind die Eltern zum Kindesunterhalt solange verpflichtet, bis das Kind eine angemessene Ausbildung erhalten hat. Hierbei gilt eine Erstausbildung (Lehrstelle) nicht als einzige zu finanzierende Ausbildung, wenn darauf aufbauend später ein Studium angestrebt wird.

Kinder im Studium, die Kindesunterhalt beziehen, haben die Pflicht, ihre Eltern über die Ausbildung zu unterrichten. Dabei müssen sie

  • Immatrikulationsbescheinigungen,
  • Bestätigungen über die Regelstudiendauer des Studiengangs und
  • Leistungsnachweise, die nach den Regelstudienvorschriften erbracht werden müssen zum jeweiligen Zeitpunkt vorlegen.

Nicht unterhaltspflichtig sind Eltern allerdings, wenn das Kind mehrere Male den Studiengang wechselt. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Studiengänge nichts miteinander zu tun haben. Fachfremde Studiengänge, die genutzt werden, um die Zeit zu überbrücken, bis ein Studiengang im gewünschten Fach frei wird, müssen von den Eltern ebenfalls nicht finanziert werden.

Auch während der Promotion sind Eltern nicht zwingend zum Kindesunterhalt verpflichtet. Ausnahmen gelten, wenn die Promotion für den Beruf von Bedeutung ist (z. B. Medizinstudium). Zudem können Eltern verlangen, dass der Nachwuchs einer Nebentätigkeit nachgeht, deren Einnahmen angerechnet werden können.

Welches Einkommen wird für die
Berechnung des Kindesunterhalts herangezogen?

Der Kindesunterhalt wird anhand der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Eltern berechnet. Dafür sind alle Einkommen, die in § 2 Abs. 1 EStG aufgeführt werden, zu berücksichtigen. Das sind die Einkommen aus

  • Gewerbebetrieb,
  • nichtselbstständiger Arbeit,
  • selbstständiger Arbeit,
  • Land- und Forstwirtschaft,
  • Vermietung und Verpachtung,
  • Kapitalvermögen und
  • sonstige Einkünfte.

Weiterhin zu berücksichtigen sind

  • Lohnnebenleistungen (Tantiemen, Leistungsprämien, Zuschläge für Nacht- oder Sonntagsarbeit usw.),
  • Sachbezüge mit geldwertem Vorteil (Dienstwohnung, -wagen, Essenszuschüsse, Diensttelefone usw.),
  • Steuervorteile aus Direktversicherungen und
  • Spesen- bzw. Reisekostenzahlungen seitens des Arbeitgebers.

In letzterem Fall werden jedoch nur pauschale Sätze in Höhe von 30 Prozent als unterhaltsrelevantes Einkommen angesehen. Außerdem sind soziale Leistungen, Entgeltersatzleistungen und Co. unterhaltsrelevant.

Schulden können nur in wenigen Fällen berücksichtigt werden, etwa wenn sie während einer Ehe entstanden sind, um für das Kind und den Partner etwas aufzubauen. Komplett unabhängig von der Höhe des Einkommens ist der Regelbeitrag, der in der Regelbeitragsverordnung geregelt wird. Dieser ist zu 100 Prozent als Kindesunterhalt zu zahlen.

Kindergeld berücksichtigen

Kindesunterhalt

Kindesunterhalt

Ebenfalls ist das Kindergeld für den Kindesunterhalt entscheidend. Dieser verringert sich pro Kind um die Hälfte des Kindergeldes, sofern dies dem anderen Elternteil zusteht, an den der Kindesunterhalt ausgezahlt werden soll. Bei volljährigen Kindern wird das Kindergeld vollständig auf ihren Bedarf angerechnet. Den restlichen Betrag müssen beide Eltern zu gleichen Teilen decken, wobei deren Selbstbehalte jedoch zu berücksichtigen sind.

Minderjährige Kinder:
Anspruch auf verschiedene Arten des Kindesunterhalts

Minderjährige Kinder haben Anspruch auf unterschiedliche Arten des Kindesunterhalts. Der Betreuungsunterhalt umfasst die tatsächliche Betreuung des Kindes. Es muss in diesem Fall mit Nahrung, Kleidung, Pflege und Wohnung versorgt werden. Dieser Unterhalt wird in der Regel von dem Elternteil erbracht, bei dem das Kind lebt.

Die zweite Variante ist der Barunterhalt. Dieser stellt eine finanzielle Zahlung an das Elternteil dar, das den Betreuungsunterhalt gewährt. Die monatlichen Zahlungen werden gesetzlich festgelegt. Die Verpflichtung zu dieser Form des Kindesunterhalts entfällt auch dann nicht, wenn das Kind sich vorübergehend beim Elternteil, der zum Barunterhalt verpflichtet ist, aufhält, zum Beispiel während Urlaub oder Krankheit des anderen Elternteils.

Auch volljährige Kinder haben Anspruch auf Kindesunterhalt

Selbst wenn Kinder volljährig sind, haben sie noch Anspruch auf Kindesunterhalt. Der Gesetzgeber unterscheidet hier zwischen

  • volljährigen Kindern und
  • privilegierten volljährigen Kindern.

Zu letzteren zählen Kinder, die zwar das 18. Lebensjahr vollendet haben, aber noch in der allgemeinen Schulausbildung sind. Zu dieser zählen etwa:

  • Besuch des Gymnasiums,
  • Besuch der Berufsfachschule,
  • Besuch der Höheren Handelsschule.

Volljährige Kinder haben grundsätzlich Anspruch auf Barunterhalt. Dieser ist mit Erreichen der Volljährigkeit auch von dem Elternteil zu zahlen, der bisher den Betreuungsunterhalt geleistet hat. Allerdings darf dieser sich auf seinen Selbstbehalt berufen. Andernfalls werden die Einkommen beider Elternteile prozentual ins Verhältnis gesetzt und der Barunterhalt entsprechend aufgeteilt.